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Weitere Ziele und Ideen für eine effektive, nachhaltige und schnelle Kultivierung von Tagebaulandschaften

In diesem Teil werden weitere Ansätze und Ideen zur Naturalisierung, Sanierung, Kultivierung bzw. Rekultivierung im Bezug zu allen Verantwortlichen und im Rahmen des Begrünungs- und Forschungsprojektes für Bergbaufolgelandschaften (BFL) aufgezeigt.

Ein wichtiges Ziel für Tagebaulandschaften und Tagebauseen ist die Herstellung eines ausgeglichenen, stabilen und sauberen Wasserhaushaltes sowie einer guten Bodenqualität. Dafür sind folgende Punkte zu beachten:

  • Balancierung der Nährstoff- und Schadstoffgehalte durch Filtersysteme und Regulierung des Sauerstoffgehaltes durch Belüftung und Umwälzung, dies kann auch durch Integration in Bewässerungssysteme an Land und mit geeigneten Pflanzen, Wasserpflanzen und Mikroorganismen geschehen
  • Einhaltung von Grenzwerten und Senkung wenn möglich (z.B. Lärmpegel, Belastungs- und Schadstoffe in der BL oder BFL)
  • Erforschung, Recherche und Nutzung von bisher unbekannten Entgiftungs- bzw. Reinigungsmöglichkeiten und Regulierungsmethoden, dies gilt auch für die Grundwasser- und Bodenverbesserung
  • Erforschung von weiteren Methoden der Verbesserung der Boden- und Wasserqualität, dazu Machbarkeitsstudien und Abwägung Effizienz / Nutzen
  • Erreichen guter Wasserqualitäten nach der EU-Badegewässerrichtlinie
  • Förderung oder Unterstützung der Selbstreinigung von Tagebauseen
  • Förderung der Ansiedlung von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten durch Einrichtung, Erweiterung und Erhaltung freier unbebauter Naturschutzräume
  • Forschung an verbesserten Ansiedlungs- und Vermehrungsmethoden von vom Aussterben bedrohten Arten, dazu Schaffung von geeigneten Habitaten und zoologischen Gärten oder Parks
  • Gegenwirkung bzw. Verminderung der Entrophierung und Versauerung der Seen und des Grundwassers
  • Monitoring der Böden und Gewässer mit geeigneten Instrumenten
  • Langfristige Planung und alljährliche Anpassung des Gestaltungskonzeptes sowie der Sanierungspläne
  • Spätere Einbindung von Besuchern aus allen Bereichen in den gesamten Prozess, Anbieten von Erkundungstouren und Mitmach-Workshops im Forschungscamp und gesicherten Gelände
  • Ufer- und Böschungssicherung sowie passende Küstenbegrünung sollten reinen Kies- oder Sandstränden vorgezogen werden
  • Vorträge, Foto- und Filmvorführungen, Informations- und Lehrveranstaltungen

Verantwortliche Organisationen, Institutionen und Personen müssen die Gesetze, Vorgaben, Regelungen und Richtlinien einhalten, befolgen und dies regelmäßig nachweisen, wenn möglich alljährlich.

Ein gutes Beispiel für den Gewässerunterhalt und Nachsorge ist im Grundlagenband „Nachhaltige Erholungsnutzung und Tourismus in Bergbaufolgelandschaften“ beschrieben. Hier ein Auszug:

„Aufgabe der Gewässerunterhaltung ist es, die Funktionsfähigkeit des Gewässerbetts einschließlich der Ufer bis zur Böschungsoberkante zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Dazu gehören auch die ökologische und landeskulturelle Funktion der Gewässer, insbesondere

1. die Erhaltung und Wiederherstellung eines heimischen Pflanzen- und Tierbestandes in naturnaher Artenvielfalt;

2. die Erhaltung und Verbesserung des Selbstreinigungsvermögens, soweit nicht andere dazu verpflichtet sind;

3. die Freihaltung, Reinigung und Räumung des Gewässerbetts und der Ufer, soweit es dem Umfang nach geboten ist;

4. die Freihaltung des Gewässers und seiner Ufer von Schädlingen;

5. die Entnahme fester Stoffe aus dem Gewässer oder von seinem Ufer, soweit es im öffentlichen Interesse erforderlich ist.“

Dokumentationen und Informationen zur Kultur-, Siedlungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Region können in Zukunft in verschiedene Formen oder Varianten verarbeitet werden, etwa in touristischen Angeboten. Dazu gehört zum Beispiel der Ausbau des Freizeitangebots und Programms durch landschaftsbezogene Sport- und Spieleinrichtungen. Zu diesen zählen z.B. Fitnesseinrichtungen und Aktivitäten, Motorsport, Mountainbiking, Luftsport, Wassersport, Wintersport und neuartige Sport- sowie Spielaktivitäten – alles mit dem bestmöglichen Bezug zur Natur und zum Naturschutz. In Zukunft können echte Freizeitparks mit realem Bezug zur Natur entwickelt und aufgebaut werden.

Rechte und Pflichten der öffentlichen Institutionen und Behörden für die Sanierung und Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften

Die Verantwortung über die Bergbaufolgelandschaften, Nutzungs- und Sanierungsregulierungen, sowie weitere Pflichten, Regelungen und Ziele werden im Programm der „Altlastsanierung Braunkohle“ von den jeweiligen Bundesländern und der deutschen Bundesregierung gemeinsam getragen und finanziert. Gefahrenabwehr- und Wiedernutzbarmachungsverpflichtung von Bergbaufolgelandschaften sind im Bundesberggesetz umfassend beschrieben, die Verpflichtungen zur wasserhaushaltlichen Sanierung sind im Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und Wassergesetzen der betreffenden Bundesländer aufgeführt. Diese Bestimmungen, Gesetze, Regelungen, Pflichten und Verordnungen müssen beachtet, befolgt und wenn möglich in alle Entwicklungen in Bergbaufolgelandschaften oder ehemaligen Tagebaugebieten eingearbeitet werden. Weitere Informationen dazu sind sehr gut im Beispiel der „Potenzialstudie zur dauerhaften Nutzung von Tagebauseen in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster für eine verbesserte Hochwasservorsorge und -bewältigung“ beschrieben.

Generell obliegt die Sanierung der Bergbaufolgelandschaft der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Speziell gilt es bei der wasserwirtschaftlichen Sanierung, die ausgekohlten Restlöcher der teilweise abrupt stillgelegten Braunkohletagebaue in einen gefahrlosen, ökologisch verträglichen und wasserwirtschaftlich bzw. öffentlich nutzbaren Zustand zu bringen. Dabei kommt der Fremdwasserflutung der Restlöcher zu Tagebauseen eine besondere Bedeutung zu. Sie dient:

  • der Gefahrenabwehr zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit,
  • der Wiedernutzbarmachung der durch den Bergbau beanspruchten bzw. beeinträchtigten Flächen und
  • der Wiederherstellung ausgeglichenen, sich weitgehend selbst regulierender wasser- und stoffhaushaltlicher Prozessketten in der Bergbaufolgelandschaft

Diese „Basisziele“ werden im programm der „Altlastsanierung Braunkohle“ von der deutschen Bundesregierung und den betroffenen Bundesländern gemeinsam getragen und finanziert.“

Zu beachten sind auch rechtliche Grundlagen wie Grundgesetz, EU-Hochwasserrichtlinie (EU-HWRL), Hochwasserschutzgesetz, Wasserhaushaltsgesetz (WHG), Bundesnaturschutzgesetz (BnatzSchG), Landeswassergesetz, Raumordnungsgesetz (ROG), Baugesetzbuch (BauGB), Baunutzungsverordnung (BauNVO), Landesentwicklungsplanung (LEPro, LEP), Kreisentwicklungspläne (KEP), Bauordnungen (BAUO), Bauleitpläne, Zivilschutzgesetz (ZGS), Katastrophenschutzgesetze der Länder, Ordnungsbehördengesetz (OBG) und weitere erforderliche Gesetze.

Klima-, Extremwetter und Katastrophenschutz durch präventive Begrünung

Die Begrünungsprojekte und Forschungscamps von Greening Deserts entwickeln und forschen auch im Klima- und Wetter-Bereich, es werden in vielen Bereichen effektive Methoden und Maßnahmen für den Klima- und Katastrophenschutz erforscht und entwickelt. Im Folgenden sind ein paar Ansätze und Ideen aufgelistet.

  • Linderung und Prävention bei extremen Wetterkatastrophen, durch Bodenbefestigung besserer Schutz vor Erosion und Erdrutschen, besonders bei Flutkatastrophen
  • Minderung des Risikos von Überflutungen durch bepflanzte Böden, da sie besser Wasser aufnehmen, schneller nach unten ableiten und insgesamt mehr speichern können
  • Hochwasserschutz und Vorsorge bei extremen Unwettern durch Schutzwälle von flexiblen und robusten Bäumen und Sträuchern, welche zudem starke Winde und Stürme (Sturmfluten, Tornados Hurrikans, etc.) abfangen oder ab-dämpfen können
  • Verbesserung des Hochwasserrückhaltes und der Hochwasserentlastung durch großflächige Begrünung und Bewaldung

Eine Definition zum Hochwasserschutz nach DIN 4047:

Gesamtheit der Maßnahmen des Gewässerausbaus durch Gewässerregelungen und Bedeichung, der Hochwasserrückhaltung und/oder der baulichen Veränderung an den zu schützenden Bauwerken und Anlagen, die dazu dienen, das Überschwemmungsgebiet zu verkleinern, den Hochwasserstand zu senken und/oder den Hochwasserabfluss zu ermüßigen.“

Weitere wichtige Themen für die Projekte sind mögliche Konflikte, Hindernisse und Risiken.

Es wird eine beständige Erörterung der Konflikte zwischen den Erholungs- und/oder Nutzungsformen und dem Naturschutz angestrebt, auch während des Betriebs von Projekten und Unternehmungen in Bergbaufolgelandschaften (BFL). Dies dient dem reibungslosen Ablauf auf allen Seiten, der Verbesserung von Synergien und der Vermeidung von Fehlern und doppelten oder wirklich unnötigen Arbeiten. Ignoranz soll vermieden und Kommunikation gefördert werden, besonders in heutigen Zeiten. Dies betrifft alle Beteiligten oder Tätigen in der Region der jeweiligen BFLs. Interessant sind auch Möglichkeiten und Potenziale transparenten Arbeitens in Bergbaulandschaften (BL), dadurch kann das gesamte Image des Bergbaus und der jeweiligen Regionen erheblich verbessert werden. Dadurch wird außerdem das Bewusstsein für Naturschutz und positiven Wandel in der Gesellschaft gefördert.

Wichtig ist auch die Beachtung und Einhaltung von Bestimmungen, Gesetzen, Reglungen, Leit- und Richtlinien sowie Werten für den Naturschutz in Verbindung oder im Bezug auf nachhaltigen Tourismus, Freizeit- und Erholungsnutzung in Bergbaufolgelandschaften. Konfliktpotenziale und Risiken in dieser Hinsicht zu minimieren muss Aufgabe und im Sinne aller sein, ein ausgreiftes Riskomanagement für die Region sollte von allen Stellen angestrebt werden. Deswegen wird mit dieser Arbeit und diesem Konzept aufgerufen sich zu beteiligen, Ideen und Vorschläge mit einzubringen. Dies kann man gerne über die öffentlichen Seiten und Kontaktmöglichkeiten.